Seamless Mobility

Nahtlos mobil durch Neudenken des gesamten Mobilitätssystems

Sascha Ott, KIT-Zentrum Mobilitätssysteme

Mobilität ist mehr als ein Grundbedürfnis einer modernen Gesellschaft. Mobilität ist heute mehr denn je auch die Grundlage für Wohlstand und wirtschaftlichen Erfolg. Gleichzeitig sind heutige – sehr stark durch Individualverkehr geprägte Mobilitätssysteme – mehr denn je in der Kritik durch Klima- und Umweltschutz, sowie Gegenstand immer strengerer Lärm- und Emissionsvorschriften. Damit einhergehen gleichzeitig die Bestrebungen vieler sehr bevölkerungsreicher Länder, ihre jeweiligen Mobilitätssysteme zu entwickeln und auszubauen: Szenarienbasierte Schätzungen (Quelle: Shell-Studie zur Mobilität der Zukunft) gehen heute von einem weltweiten Fahrzeugbestand von ca. 2,5 Mrd. Fahrzeugen im Jahr 2050 aus.

Dieses Spannungsfeld kann nicht durch vermeintlich einfache Lösungen, z.B. der Substitution einer Antriebstechnik mit einer anderen, im globalen Maßstab gelöst werden. Vielmehr muss das gesamte Mobilitätssystem und dazu neben den Fahrzeugen mit all ihren technischen Merkmalen auch die Infrastruktur, das Mobilitätsverhalten und die Mobilitätsakzeptanz der Menschen und der Gesellschaft in den Blick genommen werden. Nur durch eine konsequente Betrachtung des gesamten Mobilitätssystems (vgl. Bild 1) sind langfristig tragfähige Lösungen zu erwarten.

Aus Sicht der Forschung für die bodengebundene Mobilität von Morgen arbeiten die Institute des KIT-Zentrums Mobilitätssysteme (siehe auch: www.mobilitaetssysteme.kit.edu) daher transdisziplinär an dieser international wie lokal gesellschaftlich relevanten Fragestellung. Ziel muss es sein, neue Gesamtlösungen und Impulse zu deren Umsetzung vorzudenken, welche über den gesamten Produktlebenszyklus eine positive Ökobilanz aufweisen.

Ein sehr vielversprechender Ansatz hierfür ist das Konzept der „nahtlos vernetzten Mobilität“ – Seamless Mobility. Bei diesem strategischen Ansatz werden unterschiedlichste Technologien auf Ebene der Fahrzeugtechnologie, der Technologien zur Automatisierung von Fahrzeugen, der Infrastruktur, der Service- und Geschäftsmodelle sowie intelligente Verkehrsbedarfsmodelle zu einem durchgängigen und nachhaltigen Mobilitätssystem verknüpft.

Hierzu sind technologieoffene Lösungen für CO2-neutrale Antriebe ebenso von Relevanz, wie auch die Fragestellungen der Energiebereitstellung und der Energiedistribution. Das KIT-Zentrum forscht daher nicht nur an klimaneutralen synthetischen Kraftstoffen und den dafür passenden Antrieben, sondern auch an neuen Elektro- und Wasserstoffantriebskonzepten.

Gleichzeitig müssen zur Entlastung der urbanen Verkehrsräume adäquate Servicemodelle und nahtlose Verknüpfungen zum ÖPNV und anderen, neuen Personen- und Gütertransportsystemen, wie z.B. den in letzter Zeit viel zitierten automatisierten „People Movern“, geschaffen werden. Nur durch die sinnvolle Integration und Vernetzung der verschiedenen Domänen kann ein adäquates Angebot an Mobilität nachhaltig auch für die verschiedenen, zunehmend urbaneren Mobilitätsräume der Zukunft gestaltet werden.

Dazu forschen und entwickeln am KIT-Zentrum Mobilitätssysteme mehrere Hundert Wissenschaftler in mehr als 35 Instituten der unterschiedlichsten Fakultäten. Darüber hinaus ist das KIT-Zentrum Mobilitätssysteme Mit-Initiator und Gründungsmitglied der Profilregion Mobilitätssysteme Karlsruhe, welche die über das KIT hinausgehenden Aktivitäten der Mobilitätsforschung in der Region Karlsruhe zusammenführt. Zudem hat sich das KIT-Zentrum Mobilitätssysteme durch einen methodischen Ansatz zum verteilten Testen und Validieren von innovativen Fahrzeugantrieben mit führenden Forschungseinrichtungen Baden-Württembergs vernetzt (siehe auch: www.xil-bw-e.de).

Kontakt: KIT-Zentrum Mobilitätssysteme, www.mobilitaetssysteme.kit.edu Geschäftsführer Sascha Ott, E-Mail: sascha.ott@kit.edu